
Am 24.7. startet im GENUS Projekt eine Schiffsexpedition mit der Maris S. Merian an die Küste vor Angola. Für das ZMT-Team und seine afrikanischen Partner steht die Frage im Mittelpunkt, woher die sauerstoffarmen Wassermassen des Benguela-Auftriebsgebietes kommen. Dieses Ökosystem ist dabei, sich dramatisch zu verändern- mit beträchtlichen sozioökonomischen Auswirkungen.
Die Reise MSM18-4 geht dem Ende entgegen. Nur noch wenige Tage, bis wir in Walvis Bay anlegen werden. In den letzten Wochen haben wir viel erreicht.
Es wurden jeweils rund 40 Einsätze mit dem Multinetz und dem Tucker Trawl gefahren. Die Ausbeute an lebenden Fischlarven war erstaunlich gut, so dass Andreas Kunzmann und Pia Kegler rund 60 Einzelexperimente an Fischlarven und deren Hypoxietoleranz durchführen konnten. Seitens der Biogeochemie war diese Ausfahrt von besonderer Bedeutung, um aussagekräftige Hochrechnungen bezüglich der CO2 - Emissionen im nördlichen Benguelasystem zu machen. Wir konnten unseren pCO2 Datensatz ergänzen und die Abdeckung in Richtung Norden über die Angola-Benguela-Front hinaus ausweiten.

A. Flohr am pCO2 Messgerät SUNDANS
Wir werden heute in Richtung Namibia aufbrechen und an der Mündung des Kunene die Transektbeprobung wieder aufnehmen.
Hinter uns liegt eine 3 tägige Dauerstation an der hauptsächlich die Physiker interessiert waren. Mit einer Multistruktursonde wurden im Stundenabstand kleinstskalige Scherkräfte in der Wassersäule gemessen.
Auch das ist Meeresforschung - die Bergung des Drifters am 11.08. hielt eine unschöne Überraschung bereit. Der größte Teil der Messkette fehlte. Korrosion hatte innerhalb von 12 Tagen zum Bruch des Kabels geführt, an dem diverse Sensoren und die Sedimentfalle hingen. Der Verlust ist herb, fällt aber verglichen mit den Kosten eines Schiffstages auf See kaum ins Gewicht.
Bergung des Drifters (Foto: A. Flohr)
Inzwischen befinden wir uns vor der Küste Angolas und 35 Stationen sind bereits absolviert. Das Wetter ist alles andere als tropisch. Der Himmel bietet verschiedenste wolkenverhangene Grautöne. Immerhin wurden schon einige Buckelwale gesichtet. Mit dem Tucker Trawl und dem Multi Schließnetz konnten gleich zu Beginn der Reise erfolgreich Larven der Pferdemakrele und von Plattfischen gefangen werden. Hier vor der Küste Angolas machen sich die Larven allerdings rar. Die ersten physiologischen Experimente an Pferdemakrelen – Larven laufen.
Am 28.07. wurde von den Kollegen des IOW ein Drifter ausgesetzt, der nun für rund 14 Tage in der Oberflächenströmung treiben wird. Der Drifter ist mit Salinitäts- und Temperatursensoren ausgerüstet sowie mit einer Sedimentfalle des ZMT. Die ersten Signale des Drifters sind geortet – ein gutes Zeichen.
Andreas Kunzmann und Werner Ekau vom ZMT beim Einsatz des Tucker Trawl (Foto: A. Flohr)
Start der Merian Expedition MSM 18-4 war Libreville, Hauptstadt Gabuns. Gabun liegt an der Westküste Afrikas knapp oberhalb des Äquators. Als der erste Schwung Wissenschaftler am 22.07. Libreville erreichte, lag die Merian noch auf Reede. Es lag trotz pünktlicher Ankunft keine Erlaubnis vor, im Hafen anzulegen. Auch war noch nicht geklärt, ob unsere Container bereits gelöscht sein würden. Es sah so aus, als würde sich unsere Reise gleich zu Beginn verzögern. Doch dank glücklicher Fügung konnte die Expedition pünktlich starten.
Die internationale Forschergruppe setzt sich aus Wissenschaftlern des IOW (Rostock), des ZMT (Bremen), sowie des DEA (Kapstadt, Südafrika) und des INIP (Luanda, Angola) zusammen. Die Mission läuft unter dem Projektnamen ABIMIX und steht für Angola Benguela Interaction and Mixing. Ziel dieser Reise ist es die komplexe Interaktion des Angolawirbels und des nördlichen Benguela Auftriebsgebietes zu untersuchen. Die Biologen des ZMT, Werner Ekau, Andreas Kunzmann und Pia Kegler sind an Fischlarven und deren physiologischen Anpassungen an Hypoxie interessiert. Ich werde als Vertretung der Biogeochemie auf der gesamten Fahrtstrecke die pCO2 Differenz zwischen Atmosphäre und Oberflächenwasser messen.
Alle sind soweit wohl auf. Die ersten küstenfernen Stationen sind bereits absolviert. Unser Weg führt uns nun in südliche Richtung und auch zu den ersten Schelfstationen.
Anita Flohr, AG Kohlenstoff- und Nährstoffkreisläufe
Teilnehmer der Expedition MSM18-4 (Foto: A. Darr)