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05.05.10

Ölkatastrophe im Golf von Mexiko

Ein Interview zu den Folgen mit Werner Ekau vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie.

Von der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, wo vor einigen Tagen die Bohrinsel „Deepwater Horizon“ explodierte und unterging, gehen dramatische Bilder um die Welt. Wie gefährlich ist die Ölkatastrophe denn für Flora und Fauna?

Wenn diese Ölmengen an der Küste ankommen und sich im Flachwasserbereich auf dem Boden ausbreiten, machen sie umfangreiche Küstenabschnitte für Meerestiere wie Fische und Krebse, die dort gefangen werden, für eine lange Zeit unbewohnbar.

Hätte man diese Umweltkatastrophe irgendwie vermeiden können?

Das ist sehr schwierig, da man schlecht voraussagen kann, in welche Richtung sich der Ölteppich weiterbewegen wird. Man kennt zwar die Strömungsmuster, aber wenn ein solch schweres Wetter dazwischen kommt, ist es schwierig zu sagen, wie sich der Ölteppich verhalten wird. Das Öl tritt ja in 1500 m Tiefe aus und kommt eine ganze Strecke von der Küste entfernt an die Oberfläche. Wenn es in östliche oder südöstliche Richtung getrieben worden wäre, wäre der Schaden sicher nicht so schlimm gewesen. Das Problem ist jetzt, dass es an der Küste angekommen ist und sich insbesondere die schweren Ölanteile im Sediment festsetzen. Dadurch machen sie den Boden für viele Organismen unbewohnbar.

Mit welchen Langzeitfolgen muß man rechnen?

Das wird davon abhängen, welche Ölanteile letzten Endes an der Küste angekommen sind. Im Prinzip ist Öl ein in der Natur vorkommender Stoff, der auch auf natürliche Weise aus dem Meeresboden austritt. Fast 50% des Öls, das in den Ozean geht, kommt aus natürlichen Quellen, also nicht durch Ölunfälle oder die Schifffahrt. Der Ozean ist durchaus auf Öl vorbereitet. Es gibt Mikroorganismen, die das Öl abbauen, aber sie sind auf Sonnenlicht und möglichst hohe Temperaturen angewiesen. Natürlicher Abbau von Öl, das in den Boden gelangt ist, ist schwieriger. Bis das Sediment wirklich wieder frei ist, kann es Jahre dauern.

Ist es denn generell möglich, dass sich die Natur von diesem Schock erholt?

Das Erdöl ist, wie gesagt, ein natürliches Produkt, was auch natürlich wieder abgebaut werden kann. Dafür hat der Ozean auch die entsprechenden Instrumente. Das Problem bei diesen Ölunfällen ist aber, dass so große Ölmengen in so kurzer Zeit auftreten. Hier muß die Natur sich erstmal die Instrumente schaffen, d.h. es müssen sich große Mengen an Mikroorganismen entwickeln, die dieses Öl abbauen, und das kann sehr lange dauern.

Könnte dieses Öl theoretisch auch unsere Meere bedrohen?

Indem es um Florida herum in den Golfstrom hineingerät? Das glaube ich eigentlich nicht, denn das Ölfeld treibt Richtung Nordosten. Es gibt eine zirkulierende Strömung im Golf von Mexiko, die um Florida herum in den Golfstrom einmündet. Die liegt aber weiter südlich. Auch wenn das Ölfeld um Florida herum getrieben werden sollte, wird es Europa sicherlich nicht erreichen - bis dahin ist es längst abgebaut.

Wie bewerten Sie derzeit das Krisenmanagement der Amerikaner?

Dass das Fischen verboten wird, ist auf jeden Fall eine wichtige Maßnahme. Das Öl bedroht ja nicht nur die ausgewachsenen Organismen. Es enthält auch giftige Substanzen, die besonders für die frühen Stadien, also die Eier und Larven von Fischen oder Krebsen toxisch sind. Nehmen die Tiere solche giftigen Stoffe auf, so gelangen sie in die Nahrungskette und landen letztendlich im Menschen. Das Problem ist eher, dass man den Ölfirmen, die dort draußen weit entfernt von der Küste und in großen Tiefen bohren, höhere Sicherheitsauflagen machen muß, damit solche Unfälle vermieden oder geeignete Gegenmaßnahmen entwickelt werden.

Weitere Informationen:

Dr. Werner Ekau
Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie
Tel: 0421 / 23800 – 23
Email: werner.ekauE-Mail-Adressezmt-bremen.de