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Kolkata und Sundarbans, West Bengalen, 10.1.11 – 09.1.12

Das Ganges-Delta umfasst den weltweit größten Mangrovenwald, die Sundarbans, dessen biogeochemische Kreisläufe jedoch nahezu unbekannt sind. Schon 1884 entdeckte Robert Koch in dieser Region das Bakterium Vibrio Cholerae, den Erreger der gleichnamigen Krankheit, die auch heute noch mehrmals jährlich in der Region ausbricht. Obwohl bekannt ist, dass V. Cholerae von Natur aus in den Ästuaren Westbengalens vorkommt, gibt es bisher keine systematischen Studien zur kausalen Beziehung zwischen wasserchemischen Parametern und der saisonalen Dynamik der Choleraausbrüche. Im aktuellen Projekt BIOVIBEN geht es darum, diese

Zusammenhänge in enger Zusammenarbeit mit dem National Institute of Cholera and Enteric Diseases (NICED) in Kolkata genauer zu erforschen. Das ZMT Bremen entsendete dazu im Januar 2011 eine Delegation von Wissenschaftlern und Technikern für eine dreiwöchige Reise, nach deren Abschluss Marc Einsporn, Doktorand der Arbeitsgruppe "Dynamik von Feuchtbiotopen", in Kolkata blieb, um das gesamte Jahr über regelmäßige Expeditionen in die Sunderbans und an den Hooghly, einem mächtigen Seitenarm des Ganges und Lebensader Kolkatas zu unternehmen.

6. Dezember 2011

Kolkata

Seit dem letzten Blogbeitrag ist bereits wieder ein Monat vergangen, ein Monat, in dem sich viel ereignet hat. Nach einem kurzen Urlaub, in dem ich auch andere Teile Indiens etwas kennen lernen konnte, bin ich vor zwei Wochen nach Bengalen zurückgekehrt, um den Endspurt anzutreten. Mittlerweile ist auch hier in Kolkata der Wintereinbruch deutlich zu spüren. Obwohl wir um die 20 °C haben, kommt es auch mir sehr kalt vor, sodass mittlerweile Fleecejacke und Mütze zur Standardkleidung gehören. Winterzeit heißt hierzulande Hochzeitssaison, und so werden fast allabendlich Häuser geschmückt, mit Lichterketten beleuchtet und Feuerwerke abgeschossen. Vom Labor aus ist es aufgrund des frühen Einbruchs der Dämmerung schön zu beobachten, wie über der Stadt ein bunter Lichterregen den Himmel erhellt.

Ende November ging es bei den Vorbereitungen meiner letzten Mangroven-Ausfahrt noch einmal zur Sache. Mittlerweile sind auch die ersten Ergebnisse in Manuskripte niedergeschrieben, sodass sich Labor-, Vorbereitungs-, administrative und wissenschaftliche Arbeiten überschneiden und die Tage proppevoll sind; da tat eine Verschiebung der Ausfahrt um einen Tag nach hinten ganz gut. Am Morgen des 2. Dezembers ging es wieder los. Diesmal war unser gewohnter Fahrer krank und wir mussten mit einem Kollegen in einem Kleinwagen vorlieb nehmen. Fünf Personen samt Gepäck in einem Kleinwagen vom Format eines VW Polo über Stock und Stein - wir waren alle froh als wir nach vier Stunden Fahrt das ca. 60 km entfernte Sonakali erreichten. An Bord war schon alles vorbereitet, doch auch die Crew war um eine Person reduziert. Batul, unser ehemaliger Koch und bester Freund an Bord hatte sich selbständig gemacht.

So ging es also gegen Mittag los in Richtung Norden. Alles lief nach Plan und wir nahmen eine letzte Probe bei unserem Nachtlager. Am nächsten Morgen wollten wir eine weitere Probe am selben Ort ziehen, doch die Crew wollte vorbildlich sein und schon früh zum Forstbüro aufbrechen. Dies sollte uns später zum Verhängnis werden. Nachdem meine Kollegen merkten, dass wir uns schon auf dem Weg befanden gaben sie sofort die Order umzudrehen. Wegen des ablaufenden Wassers hatten wir jedoch Pech und liefen auf Grund. Alle Versuche, das Boot frei zu schieben scheiterten. So hieß es warten auf die nächste Flut und es schien als würde uns dieser Zeitverlust einige Proben kosten.

Nach ca. 4 Stunden war das Boot wieder aus der misslichen Lage befreit und wir verfolgten die Probenahme weiter nach Plan. Diesmal befanden wir uns in der Hochsaison und unzählige Touristenschiffe kamen uns entgegen bzw. fuhren uns voraus. Auch wegen der vielen Vögel (Eisvögel, Möven, Kraniche, etc.) und Affen konnten wir eine sehr abwechslungsreiche Fahrt genießen. Die Wetterlage ließ es sogar zu, dass wir wieder bis zum südlichsten Punkt, an der Mündung in den Golf von Bengalen, vordringen konnten. Zudem konnten wir eine 12 Stunden – Nachtbeprobung und ganze sechs Fraktionierungen durchführen. Dank einer Extraportion Schokolade war die Zusammenarbeit von Crew und Wissenschaftlern vorbildlich und ein krönender Beginn meines „Abschieds auf Raten“.

Im Hafen von Sonakali angekommen erwartete mich am letzten Tag noch eine Überraschung. Die Crew hatte meinen Freund Batul informiert, der es sich nicht nehmen ließ persönlich zu kommen, mit uns Mittag zu essen und sich zu verabschieden. Wir tauschten noch T-Shirts und kleine Geschenke aus bevor wir uns nach einem letzten Gruppenfoto im Kleinwagen wieder auf die holprige Reise nach Kolkata machten. Nun stehen voraussichtlich sechs lange Tage im Labor ins Haus, in denen die Filtrationspumpen wieder heiß laufen werden. Dann steht auch schon die viertägige Cholera - Jahresabschlusskonferenz, das US-JAPAN-Meeting, im nahegelegenen Hotel HYATT auf dem Plan, für welches wir mit BIOVIBEN ebenfalls einen Beitrag liefern.

Währenddessen geht es auch langsam aber sicher ans Packen, denn mein Aufenthalt in Indien geht mit großen Schritten dem Ende entgegen. Wohnung auflösen, Labor aufräumen und die letzten Frachtlieferungen nach Deutschland werden in den beiden Wochen vor Weihnachten die zentralen Tätigkeiten werden.

6. November 2011

Kolkata

Als am Abend des 14. Oktobers meine Kollegin Daniela Unger in Kolkata eintraf, brachte sie im Gepäck neben wichtigem Labormaterial (und Schokoladenbrot-Aufstrich) vor allem ein offenes Ohr mit. Dann folgten weitere Tage Laborarbeit bis es am 20. Oktober erneut auf große Fahrt in die Mangrove ging.

Leider musste ich mich schon während der Anreise zum Ablegehafen erneutem Unwohlsein beugen und somit auf dem Boot für knapp die Hälfte der Fahrt die Kajüte hüten. Während in der Koje gedämpfte Stimmung herrschte war das Wetter draußen so gut, dass die Tour der Januarfahrt wiederholt werden konnte und wir bis in den Golf von Bengalen vordringen konnten. Aufgrund einer Verschiebung der Ausfahrt musste Daniela am Tag nach der Rückkehr nach Kolkata bereits ihre Heimreise antreten. Seit Montag, dem 24. Oktober, filtriere ich nun durchgängig von morgens bis abends Liter um Liter.

Obwohl die Aufarbeitung der Mangrovenproben noch nicht abgeschlossen war stand auch wieder eine Hooghly-Beprobung auf dem Plan, die weitere Proben einbrachte. Eine erneute Sonnenfeier behinderte vor allem die Probenahme in Kolkata selbst. Deshalb hieß es die letzen Tage weiterhin Filtration. Dabei vergeht die Zeit zäh. Nachdem die Regenzeit nun vorbei ist und mit Durga Puja, Diwali und Co. die Festivalzeit eingeleitet wurde, finden seither nahezu allabendlich Festumzüge mit Feuerwerken statt. Kurios ist, dass jeder Volksstamm seine eigene Feierlichkeit desselben Festes an einem anderen Tag abhält und es kaum einheitliche Feiertage gibt. Geschäfte und Büros bleiben ohne Vorwarnung geschlossen.

21. September 2011

Kolkata

Die zwei Wochen in Deutschland vergingen wie im Flug. Das neue Visum bekam ich ohne größere Schwierigkeiten. Die Gespräche am AWI und ZMT verliefen ebenfalls zur vollsten Zufriedenheit, sodass ich am Nachmittag des 16. September mit Filtern und weiteren Ausrüstungsteilen im Koffer das ZMT verlassen konnte.

Die Rückreise nach Kolkata verlief reibungslos, doch nach dem Aufwachen am Sonntag wackelte die Erde unter meinen Füßen. Ein Nachbeben des Erdbebens in Sikkim vergangene Woche. Es war das erste Beben, das ich miterlebte, deshalb hatte ich es zunächst nicht als solches wahrgenommen, sondern die wackeligen Beine auf den Jetlag geschoben. Glücklicherweise ist meines Wissens kein Mensch zu Schaden gekommen.

Am Folgetag ging es dann direkt in die Vorbereitungen für die Hooghlybeprobung über. Gestern fuhr Prasenjit und Assis nach Diamond Harbour, Akash und ich zur Howrah Bridge. Was am Vormittag wie ein ganz normaler Probennahmetag aussah, erwies sich im Laufe des Tages als farbenprächtiges Großereignis. Gestern war Sonnenfest. Dabei warfen viele Menschen ihre Gottesstatuen in den Fluss und mehrere hundert Frauen versammelten sich am Ufer, um ihr rituelles Bad zu nehmen. Alle saßen zusammen in kleinen Gruppen und feierten mit Räucherstäbchen, Kokosnüssen, Bananen und weiteren Früchten die Gesundheit ihrer Söhne.

Dieses Ereignis hinterliess nicht nur einen bleibenden Eindruck bei uns Wissenschaftlern, auch in den Proben wird sich sicherlich eine Signatur dieses Tages wiederfinden. Welch ein Glück für uns, dass es nicht ein oder zwei Tage vor unserer Beprobung stattfand. Nun können wir hoffentlich direkt aus Ursache und Wirkung Rückschlüsse ziehen. Leider gab es auch ein trauriges Ereignis während meiner Abwesenheit. In Südkolkata gab es einen Choleraausbruch, der mehrere Todesopfer forderte. Vibrio cholerae O-1 im Trinkwasser war offenbar der Auslöser, dies unterstreicht die Relevanz unseres Projektes erneut.

31. August 2011

Kolkata und Diamond Harbour

Annikas Aufenthalt neigt sich dem Ende zu. Am Samstag geht es für uns beide nach Deutschland. Für sie beginnt am Samstag wieder der Alltag im ZMT-Labor, für mich wird es nur ein kurzer Aufenthalt in der Bremischen Wahlheimat. Bis dorthin sind noch alle Hände voll zu tun. Nachdem die Proben der Sundarban-Fahrt filtriert und versandtfertig gemacht wurden, kümmern wir uns gegenwärtig um die neuen Proben aus dem Hooghly, die Annika, Prasenjit und Subham am vergangenen Montag gesammelt haben. Man hätte es sich schon fast denken können; nun haben wir tropische Hitze und die Klimaanlage ist ausgefallen.

Nachdem heute muslimisches Fastenbrechen ist, ist das Institut menschenleer. So leiden nicht nur die Proben unter der schwülen Hitze. Nun bleibt uns nur zu hoffen, dass wir bis Freitag mit allen Arbeiten fertig werden. In Kolkata laufen die Vorbereitungen für das nächste Fest namens „Durga Puja“ auf Hochtouren. In manchen Straßenzügen finden sich Bambuspaläste mit den Ausmaßen mehrstöckiger Gebäude. Ich hoffe, dass ich dieses Fest nach meiner Rückkehr nach Kolkata miterleben kann, doch nun freue ich mich auf Bremen, meine Freunde, Kollegen und ein kühles Bier an der Schlachte.

zeigt Annika und Subham beim Abfüllen der Proben in die Transportflaschen

Subham nach der Probennahme auf der Personenfähre zwischen Diamond Harbour und Kukrahati

16. - 25. August 2011

Kolkata

Nach verfrühter Landung bekam ich am Dienstag, den 16. August Verstärkung aus Bremen. Unsere Projekttechnikerin, Annika Stalling, wird bis Anfang September die Probennahmen begleiten und mich bei der Laborarbeit unterstützen. Es war sehr schön, sich nach knapp sieben Monaten Email und Skype-Kommunikation wieder persönlich zu treffen und im Auto zur Unterkunft die neuesten Neuigkeiten aus dem Labor und aus Bremen zu erfahren.

Kolkata

Seit dem Eintreffen von Annika hat es kaum mehr geregnet. Es kehrten zeitweilig sogar wieder halbwegs europäische Wetterverhältnisse ein. Zu zweit dauerte es nicht lange, bis das Packen der Expeditionsmaterialien erledigt war. Die Woche davor verbrachten wir mit Routine- und Papierarbeiten, so dass wir uns gespannt auf die fünfte Mangrovenfahrt in diesem Jahr freuten und am Abend mit der Crew den Lastwagen beladen konnten.

Kolkata and Sonakhali

Die geplante Abfahrt mit den Jeeps verzögerte sich, da es die Nacht über doch heftig geregnet hatte. Als wir gegen 8 Uhr das NICED verließen, fanden wir außerhalb Kolkatas überschwemmte Straßen mit tiefen Schlaglöchern vor. So wurde bereits die sechsstündige Fahrt zum Ablegehafen ein kleines und vor allem schaukeliges Abenteuer. Da unser Material glücklicherweise bereits am Vortag gepackt war und auf die Reise ging, konnten wir in Sonakhali ein beladenes Boot betreten und mit der altbekannten Crew unsere Fahrt in Richtung Norden beginnen. Nach mehreren Probennahmen und einer ersten Fraktionierung am Abend erreichten wir kurz nach Sonnenuntergang den Nachthafen am Eingang der Mangroven, von dem es am nächsten Tag zum Forst-Büro ging, um die nötigen Formalitäten zu erledigen.

Sojnakhali

Die Formalitäten haben sich geändert. Plötzlich brauchten wir zusätzlich zu unserer Forschungsgenehmigung eine Touristenerlaubnis und mussten einen offiziellen Sundarban-Führer mit an Bord nehmen, um in die dichte Mangrove vorzudringen. Was wir zunächst als Einschränkung empfanden, erwies sich als tatsächliche Bereicherung. Der Führer sprach sehr gut Englisch und konnte uns viele weitere interessante Informationen zu den Sundarbans geben. Besonders spannend war es, als wir plötzlich ein ca. 5 m langes Krokodil vor uns auftauchen sahen. Dem folgten Sichtungen von Axishirschen (Axis Axis) sowie verschiedenen Vögeln, wie u. a. dem Eisvogel. Nach dem Verlassen der Sperrzone verabschiedeten wir den Führer und schlugen unser Nachtlager in Koikhali auf und entschieden uns spontan, eine Nachtprobennahme durchzuführen.

Koikhali

Nachdem Annika und ich die Spätschicht übernommen hatten, waren wir noch in unseren Kojen, als wir gen Süden aufbrachen. Den Wetterverhältinissen nach konnten wir ähnlich weit wie im Juli vordringen. Am südlichsten Punkt begannen wir unsere Probennahmen und bewegten uns gegen starken Wind wieder Richtung Norden zurück. Als wir am Abend wieder in Sonakhali ankamen, hatten wir sogar noch Zeit, um uns etwas mit der Crew zu unterhalten und den Smutje bei seiner Arbeit zu unterstützen. Auch dieser Abend im Maschinenraum, der gleichzeitig als Kombüse dient, wurde zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Sonakhali und Canning

Da das Pflichtprogramm bereits am Vortag beendet werden konnte, entschlossen wir uns, nochmals ein Stück gen Norden zu fahren, um eine Fraktionierung bei niedrieger Salinität vorzunehmen. Kurz vor Mittag setzte erneut heftiger Regen ein, so dass wir für die Rückfahrt nach Kolkata ähnliche Verhältnisse wie bei der Hinfahrt vorfanden und so am späten Abend durchgeschüttelt in Kolkata ankamen. Ab dem 26. heißt es nun wieder Filtrieren im Akkord, da für kommenden Montag bereits die nächste Fahrt an den Hooghly angesetzt ist.

Willkommen an Bord von M.B. Rajmahal (Foto: P. Batabyal)

Probennahme in den südlichen Sundarbans (Foto: A. Stalling)

Fraktionierung bei Nacht (Foto: A. Stalling)

Die Sundarbans (Foto: Marc Einsporn)

8. August 2011

Kolkata

Nach einer knapp einwöchigen Pause begann es am vergangenen Mittwoch wieder heftig zu regnen. Seitdem tut es das ununterbrochen und sehr heftig. Nur manchmal schwächt es zu einem Nieseln ab. Einige Straßen (mitten in der Stadt) sind somit vollständig vom Straßenverkehr abgeschnitten und werden mit kleinen Booten befahren. Diese Situation verschärft die Lage für alle und bringt den Arbeitsrhythmus aus dem Takt. Täglich mehrere Stunden Strom- und Internetausfall tragen ihr Übriges dazu bei. Kerzen, Block und Bleistift wurden somit zum Arbeitsmaterial Nummer 1.

7. - 11. Juli 2011

Kolkata

Durch den anhaltenden Regen wurden die obligatorischen Besorgungen im Vorfeld zu einer logistischen Herausforderung, der wir bis auf wenige Ausnahmen gerecht werden konnten. Da immer noch Straßenzüge unter Wasser stehen, waren auch manche unserer Händler nicht aufzufinden. Nach mühseligen Vorbereitungen waren am Abend alle Kisten gepackt und der Lastwagen konnte während einer Regenpause beladen werden.

Canning

Als wir am späten Vormittag in Canning ankamen, stand unser Schiff beladen bereit, so konnten wir nach einem kurzen Frühstück in Gemeinschaft mit dem Fahrer in See stechen. Bei herrlichem Sonnenschein ging es zunächst in Richtung Norden. Am Ausgangspunkt angekommen freuten wir uns über niedrige Salinitätswerte, die wie im Lehrbuch mit nahender Mündung zunahmen. Der Regen hat sich auch hier deutlich ausgewirkt. Das Hinterland ist plötzlich überflutet oder grün. Am Ende des Tages konnten wir uns über eine Schönwetterfahrt freuen und blieben für die Nacht in Goshaba.

Goshaba

Am Samstag ging es bereits früh morgens los. Zunächst mussten wir zum Mangroven-Büro, um uns offiziell anzumelden. Da während des Monsuns verschärfte Sicherheitsregeln gelten, konnten auch wir diesen Gang nicht umgehen. Kurz nachdem das Gespräch beendet war und wir uns wieder zu unserem Transekt aufmachten, zog Wind auf, der sich nach und nach zu Sturm entwickelte. Wir entschlossen uns also, von einer weiteren Südpeilung abzusehen und stattdessen in Kaikhali für die Nacht einzulaufen. Dort konnten wir im Sonnenuntergang eine weitere Fraktionierung durchführen und freuten uns über einen verhältnismäßig frühen Feierabend.
P1020364 Marc beim Vorbereiten der Fraktionierung außenbords (Foto: S. Mookerjee)

Kaikhali

Der Wind schwächte über Nacht etwas ab, sodass wir uns am Sonntagmorgen entschlossen, etwas weiter nach Süden aufzubrechen. Nach zwei Stationen bei Seegang, der mit Norddseeverhältnissen vergleichbar war, entschlossen wir uns, es dabei beruhen zu lassen und gen Norden aufzubrechen. Weiter im Norden konnten wir noch eine Fraktionierung durchführen, und es blieb sogar noch Zeit, uns mit der Crew zu beschäftigen. So kam es, dass wir dieses Mal die Crew für unsere Sache begeistern konnten und sie ganz versessen darauf waren, uns zu unterstützen. Sie halfen uns bei der Verteilung des Eises und fungierten als Handlanger, wo immer nötig. Wir halfen in der Kombüse oder beim Steuern des Bootes. Aus Crew und Wissenschaftlergruppe wurde diesmal ein richtiges Team.

Sonakhali

Am frühen Morgen des Montags liefen wir in Sonakhali ein. Nachdem der LKW angekommen war, ging alles ganz schnell. Zügig war das Boot abgeladen, zu Mittag gegessen und die Reise nach Kolkata angetreten. Es war das erste Mal, dass wir diese Strecke an einem Montag zurücklegten. Montag ist in dieser Region Tag des Tierhandels. So steckten wir stundenlang von Kuh- und Schafsherden umringt in kleinen Ortschaften fest, bevor wir am Abend am NICED eintrafen. Nach dem Entladen stand nur noch die Dusche auf dem Programm, denn kommende Woche werden die Filtrationspumpen wieder an ihre Belastungsgrenzen gefahren.

Subham und Prasenjit beim Packen im Labor (Foto: M. Einsporn)

Marc kocht in der Kombüse bzw. im Maschinenraum (Foto: M. Batul)

Subham beim Salitätsmessen mit dem Refraktometer (Foto: M. Einsporn)

27. Juni 2011

Die letzten drei Wochen vergingen wie im Flug. Nach einer einwöchigen Verschnaufpause Anfang des Monats konnten wir am 13. Juni den BIOVIBEN-Projektleiter Rubén Lara in Kolkata willkommen heißen. Während seines Aufenthalts wurden die ersten Ergebnisse präsentiert, diskutiert und für ein anschließendes Projekttreffen in Deutschland aufbereitet.
Mit der Abreise Rubén Laras setzte der Monsunregen ein. Was seit Ende Mai mit gelegentlichen Schauern begann, hat sich zu sintflutartigen Dauerregenfällen gesteigert. Die angeblich heftigsten Regenfälle seit ca. 10 Jahren führen zu schier unglaublichen Wassermassen, die innerstädtisch ganze Straßenzüge knietief überfluten und somit für Autos unzugänglich machen. Dies wirkt sich direkt auf die Infrastruktur im Institut aus. Materiallieferungen, Strom, Wasser und Internet sind nur gelegentlich verfügbar, was auch die Laborarbeit zu einem Abenteuer macht. Bei der letzten Hooghly-Beprobung am 23.06. hatten wir großes Glück und einen Tag mit mehrstündigen Regenpausen erwischt. Den Menschen am Fluss scheint das Wetter nichts auszumachen, sie baden und beten wie vor dem Monsun. Nun bleibt zu hoffen, dass sich die Lage möglichst bald wieder einpendelt und die nächste Sundarban-Fahrt wie geplant Anfang Juli stattfinden kann.

Kurzer Aufenthalt an Deck während der Regenpause

Händisches Ausbaggern der Fahrrinne vor der Howrah Bridge

2. Juni 2011

Kolkata

In der Nacht von Montag auf Dienstag gingen die langen vier Monate als Ein-Mann-Exklave des ZMT in Kolkata zu Ende. Seitdem wohnt Stephanie Ziegler, Bachelorstudentin von Daniela Unger, in unserer ZMT-Wohngemeinschaft nahe des Subhas Sarovars. In den kommenden vier Monaten wird sie sich am meereswissenschaftlichen Institut der University of Calcutta mit Stoffflüssen organischen Materials während des Monsuns beschäftigen. Im Rahmen des BIOVIBEN-Projektes wurde am 1. Juni die sechste bzw. siebte Probenahme in Diamond Harbour und an der Howrah Bridge durchgeführt. Die maximale Wasseroberflächentemperatur von 37 °C zog viele Badende an. Bei Außentemperaturen von bis zu 45 °C bei einer Luftfeuchtigkeit von über 90 % mussten selbst die indischen Kollegen einige Gänge zurückschalten, so dass wir die Zeiten zwischen den Probenahmen damit verbrachten, im Schutze der Regenschirme dem bunten Treiben am Ramkrishna Tempel zuzusehen.

Der Fluss vor dem Ramkrishna Tempel in Howrah.

22. Mai 2011

Godkhali

Am späten Vormittag kamen wir am Büro des Oberaufsehers an, um erneut alle unsere Unterlagen vorzulegen. Eine Stunde später war klar, dass unsere Dokumente tatsächlich mit den Richtlinien konform gehen und wir keine unerlaubten Sachen machen. So ging es auf in Richtung Godkhali, wo wir das Schiff löschten und unsere Heimreise nach Kolkata antraten. Anders als bei den vorherigen Touren ging unsere Fahrt mit dem Entladen des LKWs diesmal bereits am frühen Abend zu Ende. In den folgenden Tagen ist somit wieder ein Labormarathon mit zahlreichen Filtrationen angesagt.

Ein gut gefülltes Planktonnetz (Foto: M. Einsporn)

21. Mai 2011

Dobanki Camp

Es war ca. 6:30 Uhr morgens als der Büroleiter uns die Genehmigungen für das Projekt wieder brachte. Alle unsere Dokumente waren einwandfrei, doch bezüglich des Bootes gab es kleinere Beanstandungen, die dazu führten, dass wir für den nächsten Tag einen Termin beim Oberaufseher bekamen. Nachdem auch an diesem Tag Wind und Wetter das Vordringen in den Süden verwehrten entschlossen wir uns, durch den die kleineren Kanäle der dicht bewachsenen Mangrove zu fahren. Dort konnten wir u. a. ein Krokodil beobachten und das Knurren eines Tigers vernehmen. Nach ein paar Beprobungen und einer Fahrt durch das endlos erscheinende, dichte Grün erreichten wir kurz vor dem Einsetzen des nächsten Sturmgewitters einen geschützten Ort, an dem wir unsere Nacht verbrachten.

Marc beim Reinigen der Planktonnetzbecher (Foto: S. Mokherjee)

20. Mai 2011

Goshaba

Nach einer stürmischen Nacht, die wir im geschützten Bereich verbrachten, ging es gen Süden, um die Route der beiden Vorgängertouren erneut abzufahren. Da Wind und Wellen dem Boot schon bald zusetzten und die Probenahme erschwerten, entschieden wir uns, auf Nummer sicher zu gehen, vorerst nicht weiter in den Süden vorzudringen und die Nacht nahe eines „Tiger Reserve“ zu verbringen. Schon nach kurzer Zeit bekamen wir Besuch von der Wachmannschaft, die sich bei einer Tasse Tee unser Vorhaben ausführlich erklären ließ. Unmittelbar nach dem Verlassen unseres Bootes kamen sie zurück und brachten ihren Vorgesetzten mit, der alle Unterlagen sorgfältig prüfte und über Nacht mit in sein Büro nahm.

Subham beim Vorbereiten des Mikrobiologielabors an Deck (Foto: M. Einsporn)

19. Mai 2011

Canning

Nachdem alle Vorbereitungen für die dritte Tour in die Sundarbans ohne Schwierigkeiten verlaufen sind sah es so aus, als könnte es eine richtig gute Fahrt werden. Am Morgen des Donnerstags wurde uns dann telefonisch mitgeteilt, dass zwei von uns fünf Wissenschaftlern krank sind und nicht an der Fahrt teilnehmen können. So ging es also in einem Drei-Mann-Team zum Boot, dessen Besatzung ebenfalls um zwei Personen dezimiert war. Da uns die verbleibende Mannschaft noch kannte, ging es ohne größere Komplikationen gen Norden bis zum Ende des schiffbaren Bereichs, der überaschenderweise noch sehr hohe Salinitätswerte aufwies, die trotz eines Gewitters und leichten Niederschlägen kaum gesenkt wurden.

Aufziehendes Gewitter in den Sundarbans (Foto: M. Einsporn)

18. Mai 2011

Kolkata

Nach langwierigen Verhandlungen ist es nun endlich vollbracht und die ersten Proben konnten heute auf den Weg nach Bremen geschickt werden. Am Samstag konnte ich Vertreter der Organisation Ärzte für die Dritte Welt treffen, die in Kolkata und Umgebung freiwillig während ihres Urlaubs bzw. der Pension medizinische Versorgung in den Armenvierteln bieten. Ich hoffe, dass wir diesen Kontakt aufrechterhalten können und freue mich schon jetzt auf den Gegenbesuch in Beleghata, um ihnen unser Projekt näher vorstellen zu können.

10. Mai 2011

Diamond Harbour

Wie alle drei Wochen ging es an den Hooghly, der mittlerweile in Diamond Harbour mit ordentlichem Seegang aufwartete. Die relativ kleinen Fährschiffe schwankten entsprechend stark, sodass das Wasserschöpfen in der prallen Sonne zu einer mittelgroßen Herausforderung wurde. Besonders bekam das unser Gast aus dem Bacteriophagenlabor zu spüren, der Seegang nicht gewohnt war. Viel ruhiger ging es bei Niedrigwasser bei der Schlickprobennahme zu.

Zudem durften wir in der vergangenen Woche die ersten Ergebnisse vor der Institutsleitung präsentieren. Die deutsch-indische Präsentation kam sehr gut an und so freuen wir uns auf den Besuch von Rubén Lara, dem Leiter des Projektes, um mit ihm das weitere Vorgehen zu besprechen.

Marc Einsporn bei der Schlickprobennahme in Diamond Harbour (Foto: Asis Dutta).

2. Mai 2011

Kolkata

Die Abwicklung des Probenversands erweist sich als schwieriger als erwartet, somit heißt es einmal mehr abwarten und hoffen. Es blieb also noch etwas Zeit, um weitere Festphasenextraktionen durchzuführen, die folglich noch mit verschickt werden können. Für die kommenden Tage ist große Reinigungswoche angesagt. Alle Probenflaschen zu waschen und für die nächste Fahrt vorzubereiten wird eine ganze Weile in Anspruch nehmen.

Partikuläres Material von unterschiedlichen Stationen auf Glasfaserfiltern.

25. April 2011

Kolkata

Alle Proben aus dem April sind filtriert und für die Reise nach Deutschland vorbereitet. Somit wird diese Woche die Kiste gepackt und gekühlt nach Bremen gesandt. Über das Wochenende blieb Zeit, um Pumpen und Generator zu warten. Nach dem Ölwechsel und kleineren Ausbesserungsarbeiten konnten wir in Kolkata sogar ein wenig Ostern feiern. Die bunten Eier waren für meine Kollegen eine Attraktion, sodass der Ostersonntag am Subhas Sarovar für sie gewiss ein besonders Erlebnis bleibt.

19. April 2011

Kolkata

Da die Temperaturen in den letzten Wochen drastisch angestiegen sind, ist die Kühlung der Proben das größte Problem und wir müssen uns nach wie vor mit Eis behelfen, das wir mit Hilfe von Rikschas oder Trägern herbei schaffen lassen. Nach einem arbeitsreichen Wochenende im Labor konnte ich heute die letzte Probe der zweiten Matlatour filtrieren und wende mich nun den Proben der gestrigen Hooghlyexpedition zu. Mit etwas Glück bin ich Ende der Woche fertig, so dass ich meinen Kollegen noch ein paar Ostereier verstecken kann…

Eislieferung (Foto: M. Einsporn).

14. April 2011

Godkhali

Wir entschieden uns, als Alternative für die Südroute am letzten Tag als Halbtagestour Richtung Norden zu fahren, um den Verlauf des Salinitätsgradienten zu erkunden. Nördlich von Godkhali wird der Matla vielseitig genutzt. So begegneten uns auf der Reise zahlreiche Fähren, Transportboote, Fischer, Flößer und Badende. Auch die Ufervegetation änderte sich ziemlich abrupt. Bis zum Nachmittag konnten wir die Probenahmen abschließen, ein letztes Mal das Eis erneuern und den bereitstehenden Lastwagen beladen.

Traditionelle Fischer am Ufer des Matla (Foto: M. Einsporn).

13. April 2011

N 22.00980 E 088.76679

Übernacht wurde der starke Wind zu einem richtigen Sturm, sodass wir uns entschieden, aus Sicherheitsgründen nicht weiter in den Süden vorzudringen. Während der Rückfahrt nach Godkhali hielten wir an zwei Stationen, um Fraktionierungen durchzuführen. Den Abend im Hafen konnten wir gut nutzen, um unsere Eisvorräte zur Kühlung der Proben zu erneuern.

Besuch der Winkerkrabben (Foto: M.Einsporn).

12. April 2011

Koikhali

Schon beim morgendlichen Verlassen des Hafens von Koikhali bließ uns ein leichter Wind entgegen, der bis zum Mittag immer stärker wurde. Nach der Beprobung einiger Stationen und zunehmendem Seegang zogen wir uns zum Schutz in einen Seitenarm zurück und verblieben dort über Nacht. Die Zeit nutzen wir, um einen Tidenzyklus zu beproben. Umschwirrt von zahlreichen Honigbienen endete der Tag mit einer Fraktionierung in der Abenddämmerung.

Planktonnetze vor dem letzten Einsatz des Tages (Foto: M. Einsporn).

11. April 2011

Godkhali

Nachdem wir den Lastwagen bereits am Vorabend beladen hatten, konnten wir mit dem Jeep am frühen Morgen aus Kolkata aufbrechen. Zu unserer Überraschung war in Godkhali das Boot bereits beladen, sodass wir nach einer kurzen Teepause zur Verabschiedung des Fahrers direkt mit unserer Ausfahrt beginnen konnten. Glücklicherweise war nicht nur das Boot ein alter Bekannter von der Januarausfahrt, sondern auch die Crew fuhr fast in der gleichen Besetzung. Da sich die Mannschaft bei der ersten Reise schon sehr für das GPS und unser Kartenmaterial interessierte, brachte ich diesmal farbige Ausdrucke der Routenabschnitte mit, die sie begeistert annahmen. So konnten wir sieben Stationen beproben und eine Fraktionierung durchführen, sodass ich meinen ersten Tag als Fahrtleitung als Erfolg verbuchen konnte.

Einfahrt ins Revier des Bengaltigers (Foto: A. Palit).

10. April 2011

Kolkata

Kurz vor der Ausfahrt noch schnell ein Umzug in das eigens für das Projekt zur Verfügung gestellte Laborbüro. Nun ist ausreichend Platz, um alle Laborgeräte aufzubauen und zu betreiben. Da der Raum vorher als Betriebsratsbüro genutzt wurde, kommen immer wieder täglich mehrere Besucher, die sich in der Tür irren und sich dann interessiert nach dem Projekt erkundigen.

Prasenjit kennzeichnet die neue ZMT-Exklave in Kolkata (Foto: M. Einsporn).

7. April 2011

Kolkata

Diese Woche gab es die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Kisten packen, Lösungen ansetzen und letzte Besorgungen bescherten eine halbwegs entspannte Arbeitswoche. Zudem gab es eine überraschende Verbesserung der Raumsituation, sodass ich mein provisorisches Labor verlassen und einen eigens für das Projekt zur Verfügung gestellten Büro- und Laborraum beziehen konnte.

Abschied aus dem Behelfslabor (Foto: M. Einsporn).

31. März 2011

Subhas Sarovar

Der neue indische Doktorand des Projektes, Subham Mookerjee, hat in der vergangenen Woche seinen Dienst am NICED angetreten. Als Begrüßungstour haben wir den Zoologen mit an den nahegelegenen See genommen, um ihn in die Probenahme und -aufbereitung einzuweisen. Aufgrund des sonnigen Wetters war das Ufer von Menschen gesäumt und Subham konnte den interessierten Passanten sogleich erklären, was unser Trio mit den Kanistern und Koffern am See treibt.

Subham und Marc beim Beproben des Subhas Sarovar (Foto: P.Batabyal).

29. März 2011

Godkhali und Kaikhali

Kurz vor der geplanten Expedition sagte uns die Crew der ersten Matla-Ausfahrt ab. So waren wir auf der Suche nach einem neuen Boot für die Sundarbans. Nach langen, zähen Verhandlungen und Besichtigung einer Vielzahl von Kähnen konnten wir die Besatzung schlussendlich doch überzeugen, uns das Boot der ersten Fahrt zur Verfügung zu stellen. Da das Wetter nun große Schritte in Richtung Monsun macht, war es auch an der Zeit, die alternativen Probenahmeorte landseitig abzufahren. Die Tour von Godkhali nach Kaikhali führte durch das dünnbesiedelte Flachland. Ohne Straßenschilder, Karte und ortskundigen Fahrer half auch das beste GPS nichts. Eine lange, abenteuerliche Autofahrt mit vielen Kontakten zu Einheimischen machte den Tag zu einem besonderen Erlebnis.

Auf dem Bootsbazar (Foto: M. Einsporn)

26. März 2011

Diamond Harbour
Nach einem frühen Aufbruch aus Kolkata erreichten wir am Samstagmorgen das geschäftige Diamond Harbour. Auf den Personenfähren nach Kukrahati wurden wir freundlich begrüßt. Die Besatzungen konnten sich an den Weißen mit Eimern, Kanistern und elektronischen Geräten erinnern. Auf 12 Fahrten über den Hooghly konnten wir Proben nehmen, die dank des Regens der vergangenen Tage farblich eher Milchkaffee als Wasser glichen. Ein zweites Team führte synchron zu uns die Probenahme an der Howrah Bridge in Kolkata durch. Am späten Abend konnten beide Teams ihren Probensatz heil am NICED abliefern und werden in den kommenden Tagen mit der Aufarbeitung beschäftigt sein.

Beprobung des Oberflächenwassers auf dem Hooghly (Foto: B. Batabyal)

22. März 2011

Kolkata
In Vorbereitung auf die nächsten Touren sind wir dabei sukzessive die beschädigten Materialien auszutauschen. Besonders wichtig sind unsere Styroporboxen, in denen die Proben während der Feldexpeditionen mit Eis kühl gehalten werden. Diese sind erhältlich auf dem Straßenmarkt, der sich über mehrere Straßenzüge und Seitengassen erstreckt. An einer schier unüberschaubaren Anzahl kleiner Händler mit allen erdenklichen Gütern schieben sich Menschenmassen zu Fuß, in Rikschas, TukTuks und Taxen vorbei, um zu beliefern oder zu kaufen. Um im Gedränge die fragilen Styroporboxen nicht zu zerstören, entschieden wir uns für den Transport nach indischer Manier, was uns zur Attraktion im Gedränge machte.

Probentransport nach indischer Manier (Foto: P. Batabyal)

19. März 2011

Kolkata
Mittlerweile sind fast zwei Monate vergangen seitdem meine Begleitdelegation des ZMT die Heimreise angetreten hat. Nach einer kurzen Phase des Einlebens komme ich mittlerweile ganz gut zurecht und kann den Alltag ohne größere Schwierigkeiten meistern, abgesehen von den tropentypischen Stromausfällen und dem beachtlichen, täglichen Verkehrschaos. Nichtsdestotrotz bietet jeder Tag diverse neue Herausforderungen, die mich manchmal als deutscher Einzelkämpfer der Verzweiflung nahe bringen. Gut, dass ich nette Kollegen habe, die mir bei Behördengängen und anderen Geschäften hilfsbereit zur Seite stehen. Ein Jahr alleine in einer fremden Kultur braucht mehr als nur ein gutes Arbeitsumfeld und spannende Expeditionen. So war es in der vergangen Woche auch Zeit, eine kleine Einweihungsfeier in meiner Wohnung zu gestalten.
Unsere Proben der ersten Ausfahrt in den Sundarbans werden bereits in Deutschland analysiert, während die Mikrobiologie hier vor Ort und die Genetik in Osaka, Japan durchgeführt wurde. Glücklicherweise haben unsere Kollegen und ihre Angehörigen dort die Ereignisse der vergangenen Woche einigermaßen gut überstanden. Im Emailverkehr wurde mitgeteilt, dass sowohl die Menschen als auch die Proben sicher sind. Bleibt zu hoffen, dass dies so bleibt.

Die im Februar und März am Fluss Hooghly sowie am Subhas Sarovar gewonnen Proben konnte ich in den vergangenen Wochen aufbereiten und für die Fracht klar machen. Besonders am Subhas Sarovar werden wir mit unserem pH-Meter-Koffer immer interessiert aber auch kritisch beäugt. Hier ist es sehr wichtig, dass mein indischer Kollege die Fragen der Zuschauer beantwortet. Doch es ist nach wie vor ungewohnt, von einer Menschentraube begleitet zu werden.

Heute ist das Indische Frühlingsfest „Holi“. Mir wurde geraten zu Hause zu bleiben, da mit Farbbeuteln geworfen wird und man schon mal ohne Vorwarnung getroffen werden kann.

Marc Einsporn, AG Dynamik von Feuchtbiotopen

Zwischen den Stationen am Subhas Sarovar (Foto: P. Batabyal)

Mit pH-Meter und Nephelometer am Ufer des Subhas Sarovar (Foto: J. Karwar)