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28.7.15

Wie wirkt sich der Anstieg des Meeresspiegels auf Koralleninseln aus?

Bestnote für eine Promotion am ZMT zu einem brisanten Thema

Glückwunsch für ZMT-Wissenschaftler Thomas Mann! In seiner Promotionsarbeit über den Einfluss des Meeresspiegelanstiegs auf Koralleninseln hat der Geologe ein ebenso hochaktuelles wie wichtiges Thema in der Debatte um die globale Erwärmung aufgegriffen. Seine Dissertation mit überraschenden Ergebnissen erhielt die Bestnote „Summa cum laude“. Thomas Mann forscht in der Arbeitsgruppe Geoökologie und Karbonatsedimentologie am ZMT. Hier berichtet er von seiner Arbeit:

„In meiner Arbeit habe ich die Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs auf die geologische Stabilität von Koralleninseln im Indopazifik untersucht. Koralleninseln entwickeln sich auf Riffplattformen um eine Lagune herum. Im umgebenden Riff oder in der Lagune entsteht Sediment aus abgestorbenen Riffbewohnern, das von Meeresströmungen auf die Riffplattform transportiert und dort abgelagert wird. So kann sich über Hunderte bis Tausende von Jahren eine Riffinsel bilden.

Diese Inseln, auch Atolle genannt, sind äußerst flache Landformen und erheben sich oft nur wenige Meter über den Meeresspiegel. Der Meeresspiegelanstieg im Zuge der globalen Erwärmung wird als Gefahr für die Existenz dieser Inseln angesehen. Und da Koralleninseln die einzige bewohnbare Landfläche für Inselnationen wie beispielsweise Tuvalu darstellen, ist die Lebensgrundlage und Existenz dieser Völker ebenfalls durch den Anstieg des Meeresspiegels gefährdet.

Um die Stabilität von Koralleninseln besser abzuschätzen, kann man ihr geomorphologisches Verhalten in der Vergangenheit untersuchen und so Prognosen für die Zukunft machen. Zum einen habe ich historische Luftbilder und Satellitendaten vom Takuu Atoll im Westpazifik ausgewertet. Die Fernerkundungsdaten decken einen Zeitraum von fast 70 Jahren ab. Anhand der Daten konnte ich herausfinden, dass die Küstenlinien hochdynamisch sind und sich sehr schnell an sich ändernde Umweltbedingungen anpassen.

Über den Untersuchungszeitraum hat sich die gesamte Landfläche auf dem Atoll vergrößert, und es konnten keine direkten negativen Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs auf die Inselstabilität beobachtet werden. Ob das auch für die Zukunft gilt, ist allerdings stark vom „Gesundheitszustand“ des umgebenden Riffökosystems abhängig und daher von Atoll zu Atoll unterschiedlich.

Wenn wir noch weiter in die Vergangenheit zurückgehen, können wir Aussagen darüber machen, wie die Inseln auf Meeresspiegeländerungen seit ihrer Entstehung reagiert haben. Dafür war ich mit meinem Kollegen André Klicpera im Spermonde Archipel, Indonesien. Wir haben geologische Hinweise auf einen Meeresspiegelhochstand vor etwa 6000 Jahren in der „Straße von Makassar“ gefunden, wo sich der Archipel befindet.

Um herauszufinden, wie die Inseln auf diesen Hochstand reagiert haben, mussten wir Sedimentproben aus dem Untergrund nehmen und analysieren. Gemeinsam mit meinem Kollegen André Wizemann vom ZMT habe ich eine neue Methode entwickelt, die eine präzise Rekonstruktion der Inselentstehung erlaubt. Aufbauend auf dieser Methode planen wir weitere Untersuchungen, um Aussagen über den Einfluss von Meeresspiegeländerungen auf die Entstehung und Stabilität von Koralleninseln treffen zu können.

Gleichzeitig können aber auch menschliche Einflüsse wie das Errichten von Deichen oder Sandabbau das geologische Gleichgewicht stören. Gemeinsam mit der Anthropologin Anke Mösinger, die ebenfalls am ZMT forscht, arbeite ich deshalb auch an der Frage, ob die lokale Bevölkerung die Veränderungen ihrer Insel durch Umwelteinflüsse und menschliches Handeln als Gefahr wahrnimmt.

Kontakt

Dr. Thomas Mann
Telefon: 
+49 (421) 23800 - 132
E-Mail: 

Thomas Mann bei der Forschungsarbeit vor Ort in Indonesien (Foto: ZMT)