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Sansibar, Tanzania, 23.2 - 3.3.11

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2. März 2011

Nachdem gestern die große Abschlussbesprechung mit den tansanischen Kolleginnen und Kollegen stattfand, in der mehrere Projekte abgestimmt und Pläne festgelegt wurden, ging es heute nochmal ins Feld.
Der heutige Tag führte uns zu Untersuchungsgebiete in den Korallenriffen vor den Inseln Chumbe und Chapwani. In beiden Gebieten führt ein vom ZMT und IMS gemeinsam betreuter Student Untersuchungen zur räumlichen Konkurrenz bei Benthosorganismen im Riff durch. Chumbe Island liegt etwa 10 Km südlich von Stonetown und ist seit längerem geschützt. Es beherbergt eines der intaktesten Riffe Tanzanias mit einer sehr hohen Diversität an Korallen und Fischen. Die Insel Chapwani liegt direkt vor Stonetown. Deutlich ist hier der menschliche Einfluss auf das gesamte Leben im Riff zu erkennen. Wir konnten nur sehr wenige Fischarten erkennen und große Teile der Korallen sind bereits abgestorben. Damit schließen wir unsere Reise nach Sansibar mit vielen sehr positiven Eindrücken ab. Die Kollegen vor Ort haben uns äußerst herzlich empfangen und sich mit vollem Einsatz um uns gekümmert, so dass die Reise aus unserer Sicht sehr erfolgreich war.

Ein Ausschnitt aus dem intakten Riff im
Bereich der Insel Chumbe

Das Riff bei der Insel Chapwani weißt
zahlreiche Schäden auf

28. Februar 2011

Heute ging es zur Menai Bucht, die sich südlich von Sansibar Stadt befindet. Hier erstreckt sich ein Mangrovengebiet, das u.a. die Hauptinsel Unguja und die Halbinsel Uzi voneinander abgrenzt, wobei die einzige Landverbindung eine aus Korallensteinen bestehende Straße ist, die man nur bei Ebbe befahren kann. Unser Ziel waren die Kanäle, die sich in den westlichen und östlichen Bereichen dieses Mangrovengebietes erstrecken. In mehreren Schnorchelgängen konnten wir einen guten Eindruck über die dort bestehenden sehr diversen Ökosysteme gewinnen. In den östlichen Bereichen stießen wir zudem auf weitläufige Algenanbaugebiete. Diese bestehen seit über 15 Jahren und ermöglichen den Frauen der umliegenden Dörfer, einen Teil des Familieneinkommens selbst zu erwirtschaften - Sansibar produziert pro Jahr 7000 Tonnen dieser Algen. Das Gebiet erwies sich als derart interessant, dass wir erst nach Einbruch der Dunkelheit aus dem Wasser kamen, was den Rückweg auf Buschstraßen in schwierigem Terrain deutlich verlängerte.

Die Korallenstraße zwischen Hauptinsel
und Uzi Island

Die Algenzuchten im Bereich von Uzi Island

27. Februar 2011

Der heutige Tag bestand aus einem Ausflug zur Ostseite der Insel, wo wir uns auf abenteuerlichen Wegen in einen wenig besuchten Teil der großen Chwaka-Bucht wagten. Nach einer längeren Irrfahrt durch dichtes Unterholz erreichten wir ein äußerst vielversprechendes Mangrovengebiet, dass von vielen flachen Kanälen durchzogen war. Diese Gegend nahmen wir in einem mehrstündigen Fußmarsch unter gleißender Sonne näher in Augenschein und konnten somit einen guten Überblick über die hydrologische Struktur, sowie über vorhandene Arten bekommen.
Auf dem Weg in dieses Gebiet kamen wir leider an einem eher unschönen Anblick vorbei: während sich auf der einen Seite der Straße dicht an dicht die großen Hotelanlagen reihen, fuhren wir auf der gegenüberliegenden Seite durch einen abgelegenen, aber sehr weitläufigen Müllabladeplatz, der die Hinterlassenschaften der Hotels aufnahm. Dies stellt leider, genau wie die Abwasserentsorgung, ein auf Sansibar bisher ungelöstes Problem dar.

Die Müllkippen im 'Hinterhof' der Hotels
an der Ostküste von Sansibar

Das Mangrovengebiet von Chwaka Bay
bei Midtide und die Inaugenscheinnahme
unter sengender Sonne

26. Februar 2011

Heute stand ein weiterer Ausflug, diesmal nach Norden, auf dem Programm. Unterwegs beobachteten wir mehrere Frauen bei der Zubereitung von Daga, getrockneten kleinen heringsartigen Fischen. Die Zubereitung erfolgt unter extrem rustikalen Bedingungen - ein einfaches Holzfeuer am Strand und anschließende Trocknung auf Plastikplanen.
Anschließend ging es nach Makoba im Nordwesten der Insel, wo vor einigen Jahren vom IMS ein Aquakulturprojekt in Zusammenarbeit mit Strafgefangenen durchgeführt wurde. Inzwischen ist von der einst großen Anlage leider nicht mehr viel übrig, da das Kooperationsprojekt ausgelaufen ist. Obwohl dieses Beispiel zeigt, dass Aquakultur grundsätzlich mit einfachen Mitteln erfolgreich durchgeführt werden kann zeigt es auch, dass solche Projekte leider oftmals daran scheitern, dass Anschlussgelder fehlen und die Lokalbevölkerung die neuen Aktivitäten nicht annimmt.
Am Ende der Fahrt stand der Besuch des Fischerdorfes Mkokotoni, bei dem wir einer Fischauktion beiwohnen konnten - neben vielen Rifffischen, die von den tauchenden Touristen sowohl unter Wasser als am Abend im Restaurant geschätzt werden, wurden vor allem viele Oktopusse versteigert. Der Abend sollte eigentlich dem absenden verschiedener E-mails und dem Austausch mit Bremen gelten, aber aufgrund selbst für Sansibar aussergewöhnlich schlechter Internetverbindung mussten wir nach mehrstündigen Versuchen einen Großteil davon auf die nächsten Tage verschieben.

Das Kochen und Trocknen der Fische am
Strand in der Nähe von Sansibar Stadt

Eine Versteigerung von Fisch
in Mkokotoni

25. Februar 2011

Heute begann der aktive Teil unseres Aufenthalts mit einer ersten Exkursion nach Kisakasaka südlich von Sansibar Town, einer von Mangroven gesäumten Bucht. Dies ist eines der letzten größeren zusammenhängenden Mangrovengebiete auf Sansibar. Unser Ziel war eine Übersicht über die Einzelheiten der Topologie und Kanäle, da eine Abschätzung nur begrenzt aus Luftaufnahmen oder Satellitendaten möglich ist. Wir erhielten einen ersten Einblick in die Artzusammensetzung des Mangrovenwaldes, vor allem in den Tidalbereichen. Die Mangroven hier werden intensiv genutzt, wie die vielen sehr kleinen Bäume und Stümpfe von größeren Bäumen zeigen. Ein weiteres Nutzungsbeispiel ist die Krebszucht - wir haben mehrere einfache Holzkäfige in der Mitte der Mangrove beobachtet, in denen Krebse bis zur Marktgröße gehältert werden. Nach einem abschließenden Ausflug mit Flossen und Taucherbrille in den wenig trüben Mangrovenkanälen ging es wieder zurück zu weiteren Gesprächen ans IMS.

Die ZMT-Wissenschaftler bei der
Arbeit in den Mangroven

Das Mangrovengebiet von Kisakasak

24. Februar 2011

Das ZMT hat vor zwei Jahren begonnen, eine Forschungskooperation mit dem Institut for Marine Sciences (IMS, Universität Dar es Salaam) auf Sansibar aufzubauen. Unser Ziel unserer Reise besteht darin, diese Kooperation weiter voranzubringen, und setzt damit den Austausch der vorangegangen Jahre fort. Vom ZMT sind wir mit einem vierköpfiges Team unter der Koordination von PD Dr. Hauke Reuter auf Sansibar, welches Kompetenz aus verschiedenen Bereichen mitbringt (Dr. Krumme, Mangroven und Fischbiologe, Dr. Sebastian Ferse, Riffökologie und Sozial-ökologische Systemanalyse, Andreas Kubicek, Riffmodellierung). Konkret sollen gemeinsam betreute Arbeiten besprochen sowie die Möglichkeiten und Einzelheiten von weiteren Projekten diskutiert werden. Hierzu gehört es vor allem auch, entsprechende Gebiete auf ihre Eignung für die geplanten ökologischen Untersuchungen hin zu evaluieren. Einer unserer Schwerpunkte liegt auf Mangrovengebieten und deren Verbindung zu weiteren Habitaten (z.B. Korallenriffe und Seegraswiesen). Ein weitere Aspekt betrifft die menschliche Nutzung von Küstenhabitaten - hierzu werden wir uns auf Fischmärkten umsehen und Menschen bei ihrer alltäglichen Arbeit an den Küsten beobachten.

Am ersten Tag trafen wir uns zu einem Workshop mit Forschern des IMS und haben mit Vorbereitungen für die Feldexkursionen begonnen. In einem sehr konstruktiven Gespräch konnten wir einen vielversprechenden Rahmen für zukünftige gemeinsame Projekte absprechen. Einzelheiten wollen wir in Arbeitsgruppen in den kommenden Tagen klären.

Dr. Hauke Reuter, AG Räumliche explizite Modellierung
Dr. Uwe Krumme, AG Mangrovenökologie
Dr. Sebastian Ferse, AG Sozial-ökologische Systeme
Andreas Kubicek, AG Korallenriffökologie

Das Team des ZMT vor dem
Institute for Marine Sciences in Zanzibar

Der Workshop mit den WissenschaftlerInnen
des IMS während des Vortrags von
A. Kubicek